schrieb am 7. Februar 2009 zuEvents
Barcamp Riga – erste Eindrücke aus dem Baltikum und darüber hinaus
War ich mir gestern noch nicht ganz sicher, ob der gewählte Titel “Social Media aus einer anderen Perspektive” auch zutreffend sein wird – heute bin ich es. Doch zuerst ein paar administrative Dinge und Erfahrungen, die ich nun -insbesondere bei größeren Konferenzen- schon öfter machen durfte.
Bei mehr als 800 Teilnehmern aus mehreren dutzend Ländern, die teilweise Strecken von gut 20.000 km zurücklegen, um an der Unkonferenz teilzunehmen, empfiehlt sich eine Pre-Conference. Somit konnten wir bereits am Freitag den größten Teil der Teilnehmer registrieren und den Barcamp-Neulingen den Ablauf der nächsten zwei Tage erklären.
Damit sich die Kommunikation sowohl unter den Teilnehmern als auch zwischen Orga und Teilnehmern einfacher gestaltet, haben sich eine Reihe von lettischen Unternehmen bereit erklärt, das Barcamp mit Kommunikationsdienstleistungen zu unterstützen. So lag dem Welcomepack eine prepaid SIM-Karte des lettischen Providers Amigo bei, die ohne weitere Registrierung aktiviert und sofort genutzt werden konnte. In 2008 war TOXIC Partner des Barcamps in Riga und stellte ebenfalls eine SIM-Karte, die ich noch heute nutze. Sollte man mich in den nächsten Tage in Riga erreichen wollen, dann bitte unter +371 275 51516.
Darüber hinaus ist es gelungen, lattelecom als Sponsor zu gewinnen. lattelecom unterhält in Riga ein flächendeckendes WLAN, das nahezu die gesamte Stadt und jedes öffentliche Gebäude abdeckt. Für den Zeitraum vom 06. bis zum 13. Februar 2009 hat lattelecom nun den speziellen Benutzer”barcamplv” für Besucher des Barcamps eingerichtet, so dass man sich unter Angabe von “wifi” als Passwort überall in Riga kostenfrei in das verfügbare WLAN einloggen kann.
Kommunikation wird also groß geschrieben beim Barcamp Riga und die örtlichen Unternehmen haben längst den Wert und vor allem die Reichweite der Veranstaltung erkannt und unterstützen diese somit auf breiter Basis. Alle Sponsoren finden sich natürlich auch online und in der Sidebar der Barcamp.lv Website.
Insbesondere auch die Kommunikation unter den Teilnehmern macht diese Unkonferenz besonders. Auf Grund der Tatsache, dass das Social Web in manchen Teilnehmerländern noch kaum eine eigene Infrastruktur besitzt, ist der Bedarf bei diesen besonders groß, entweder andere Social Networks zu nutzen oder aber Know How zu erwerben, um eigene Plattformen zu entwickeln. So hatte ich gestern ein Gespräch mit einer Gruppe junger Wissenschaftler aus Aserbaidschan, die zum Teil für ein Informationsministerium arbeiten und seit 2001 dabei sind, Grundlagen für ein eigenes Social Network zu schaffen. Laut ihren Angaben gibt es in Aserbaidschan derzeit etwas mehr als acht Millionen Einwohner, von denen ca. eine Million regelmäßig das Internet nutzen. Auf Grund des fehlenden eigenen Social Networks weichen die Nutzer auf Facebook, MySpace und hi5 (in absteigender Relevanz) aus. Dies ist ein in vielen Ländern Zentralasiens zu beobachtendes Phänomen und gerade auch aus der Sicht euroäpäischer Unternehmen interessant. Wer heute dorthin Know How exportiert und beim Aufbau einer Infrastruktur für das Social Web hilft, festigt auf lange Sicht neue Absatzmärkte und gewinnt Zielgruppen hinzu. Da dieses Thema für einen Rückblick zu komplex ist, werde ich mich diesem später noch einmal widmen.
Weitere Fotos vom Barcamp Riga 2009 finden sich übrigens auch dieses Mal wieder in unserem flickr-Stream.




