Artikel-Tags: „PR-GAU“

Michael Nordmeyer schrieb am 3. Februar 2009 zuBrand Awareness, Microblogging, Reputation Management

Die Deutsche Bahn übt sich im Mediendesaster

Mancher würde sogar sagen, die Bahn braucht das nicht zu üben, sondern gehört zu den Meistern des PR-GAUs. Jetzt weitet die Deutsche Bahn ihre “Fähigkeiten” auch auf die neuen Medien aus.

Heute hat die Bahn Markus Beckedahl, den Netzpolitik-Blogger, abgemahnt. Das hat sich mittlerweile sogar zum Spiegel herumgesprochen. Immerhin.

Ihm wird im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines internen Memos zur Späh-Affäre des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (!) an die Deutsche Bahn vorgeworfen, Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen auf sittenwidrige Art und Weise begangen zu haben und fordertverweist auf einen möglichen Schadensersatzanspruch. So ist zumindest die Sicht der Deutschen Bahn, wie sie es ausführlich im Abmahnschreiben darlegt.

Nun ist die Bahn wohl gewöhnt, dass sie als Goliath mit juristischen Drohgebärden schnell ihr Ziel erreichen kann. Anders kann ich mir es nicht erklären, dass die Bahn ein so hohes Risiko eingeht, da Abmahnungen gerne von Bloggern veröffentlicht werden. Zum einen, um Hilfe und Ratschläge zu bekommen, da es auch Voll-Juristen unter den Lesern eines Blogs gibt. Zum andern, da die Abmahnung meistens den abgemahnten Beitrag nur noch signifikanter werden lässt.

In diesem Fall lenkt die Bahn die Aufmerksamkeit nur auf das Dokument, welches sie eigentlich aus dem Verkehr ziehen wollten.

Auf Twitter wurde die Nachricht durch Re-Tweeten in wohl die letzten Winkel des (trendbewussten) deutschen Internets verbreitet.

Die Deutsche Bahn hat jetzt mit Sicherheit eines erreicht: Die Nachrichten-aktive Internet-Gemeinde verbündet sich implizit durch Berichterstattung und entsprechende Verlinkung zu diesem Thema, was die gesamte Bespitzelungsgeschichte der Bahn nur noch bei Google und anderen kleinen Helferlein zementiert und damit viel höher bewertet.

Das hat äußerst unschöne Auswirkungen auf die Reputation der Bahn und dessen Vorsitzenden, Hartmut Mehdorn. Und die Bahn sollte alles tun, um ihre Reputation zu steigern.

Für eine Reputationssteigerung eignet sich Social Media vortrefflich. Aber falsch angepackt steht man im Vorhof zur Hölle ist der Schaden immens. Ein im Sinne streng öffentliches Medium wie ein Blog will eben Öffentlichkeit. Der veröffentlichte Beitrag kann zwar wieder zurückgenommen werden, wurde aber durch Caching, Suchmaschinen-Benachrichtigungen und RSS-Feeds schon vervielfacht. Ein Zurück ist selten möglich.

Social Media funktioniert nicht hierarchisch. Das sollte sich eigentlich mal in die Hierachien der Unternehmen herum sprechen.

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